Der Fall Patrick Fischer – 7 Akte einer Vertrauenskrise
Der Fall Patrick Fischer zeigt brutal klar: Nicht das gefälschte Covid-Zertifikat allein hat ihn den Job gekostet – sondern die verzögerte, unvollständige und schlecht abgestimmte Kommunikation danach. Geständnis erst unter Mediendruck, keine saubere Einbindung von Verband, Partnern und Sponsoren, dazu eine zweite Lüge: So wird aus einem schweren Fehler eine Vertrauenskrise.
Akt 1: Das gefälschte Zertifikat
2022 reiste Patrick Fischer als Cheftrainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen nach Peking. Patrick Fischer lehnt Impfungen aus persönlichen Gründen ab, dies ist sein gutes Recht. Um die strengen Covid-Regeln jedoch zu umgehen, bestellte er über Telegram ein gefälschtes Covid-Zertifikat und reiste damit ungeimpft nach China. 2023 verurteilte die Staatsanwaltschaft Luzern ihn zu einer unbedingten Geldstrafe von rund 40'000 Franken wegen Urkundenfälschung – als Privatperson, doch mit hoher öffentlicher Relevanz.
Kommunikationsanalyse:
❌ Fehler:
Der fall wurde nach der Verurteilung nicht proaktiv kommuniziert. Es gab keine Einordnung, keine Verantwortung, keine Einbindung des Verbandes.
✅ Hätte besser laufen können:
Sofortige, freiwillige Offenlegung nach der Verurteilung (2023)
Gemeinsame Kommunikation mit dem Verband (SIHF)
Klare Botschaft: „Fehler passiert, Verantwortung übernommen, Konsequenzen gezogen"
Frühzeitige Information von Swiss Olympic und Sponsoren
Wer früh spricht, gestaltet die Geschichte; wer wartet, reagiert nur noch.
Krisenkommunikations-Prinzip
Akt 2: Das Mittagessen mit dem Journalisten
Anfang April 2026 trifft sich Fischer beim SRF-Porträtdreh zum Mittagessen mit Journalist Pascal Schmitz. ungefragt verrät Fischer dort, dass er einst ein Covid-Zertifikat gefälscht hat. Schmitz recherchiert danach, beschafft den Strafbefehl und konfrontiert Fischer mit der bevorstehenden Publikation.
Kommunikationsanalyse:
❌ Fehler:
Fischer teilt eine schwere Straftat in einem privaten Gespräch ungefragt mit – ohne Vorbereitung, ohne Verband, ohne Kommunikationsplan.
Auch der Kommunikationleiter von Swiss Ice Hockey ist am Mittagessen dabei. Trotzdem bereitet sich der Verband nicht auf die drohende Publikation vor.
✅ Hätte besser laufen können:
Solche Informationen nie im informellen Gespräch, sondern nur im controlsten Rahmen mit Vorbereitung
Vorherige Abstimmung mit Verband und Krisenstab
Eigene, zeitnahe Veröffentlichung vor dem SRF-Beitrag
Ein ungeplanter „Verpatzer" legt den Grundstein für die komplette Deutungshoheit der Medien.
Kommunikationsrisiko
Akt 3: Die Entschuldigung (unter Druck)
Am 12. April 2026 veröffentlicht Fischer ein Video-Statement, entschuldigt sich und bezeichnet den Fehler als „unentschuldbar". Der SIHF gibt ebenfalls bekannt, dass Fischer die Fälschung zugibt. Doch das Geständnis kommt erst, nachdem SRF ihm mit der Publikation gedroht hat.
Kommunikationsanalyse:
❌ Fehler:
Geständnis erst unter externem Druck, nicht aus eignenter Initiative. Die Deutungshoheit liegt bei SRF, nicht bei Fischer.
✅ Hätte besser laufen können:
Sofortige eigene Kommunikation am besten nach der Verurteilung oder spätestens zeitnah $nach dem Mittagessen.
Abgestimmtes Vorgehen mit Verband, Sponsoren und Partnerorganisationen
Klarer Titel: „Ich habe einen Fehler gemacht, ich spreche jetzt selbst"
Schnelle Kommunikation minimiert das negative Moment der Überraschung.
Prinzip der Krisenkommunikation
Akt 4: Der Verband steht hinter Fischer
Der SIHF erklärt zunächst, er stehe weiter hinter Fischer. Der Präsident Urs Kessler sagt: „Er hat die Konsequenzen getragen. Für uns ist die Angelegenheit damit abgeschlossen". Die Öffentlichkeit reagiert gespalten; Sponsoren kritisieren das Vorgehen als „inakzeptabel", SwissOlympic eröffnet eine Untersuchung.
Kommunikationsanalyse:
❌ Fehler:
Der Verband reagiert zu schnell, zu einseitig und ohne Abstimmung mit Sponsoren und Partnerorganisationen. Kein Krisenstab, keine koordinierte Strategie.
✅ Hätte besser laufen können:
Seit dem erwähnten Mittagessen hätte der Verband Zeit gehabt, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Koordiniert, kontrolliert mit einem klaren Entscheid (abgestimmt mit den wichtigsten Stakeholdern)
Innerhalb von 24 Stunden: Krisenstab aktivieren
Stakeholder abholen (Sponsoren, Partnerorganisationen)
Gemeinsame Haltung entwickeln: „Wir nehmen das ernst, prüfen weiter, bleiben vorläufig dabei, aber beobachten"
Kommunikation beginnt intern; eine saubere Kaskade ist Krisenprävention.
Lehre aus der Krise
Akt 5: Die zweite Lüge platzt und die Entlassung
Im Geständnis sagt Fischer sinngemäss, er sei „bis auf diesen Vorfall nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen". Kurz darauf wird bekannt: Er war bereits wegen Geschwindigkeitsübertritts verurteilt und stand bei der Urkundenfälschung noch auf Bewährung. Nach nur 48 Stunden Druck entlässt der SIHF Fischer „per sofort".
Kommunikationsanalyse:
❌ Fehler:
Eine zweite, nachweisbare Unwahrheit im „reumütigen" Geständnis zerstört die Glaubwürdigkeit komplett.
✅ Hätte besser laufen können:
Vollständige Ehrlichkeit von Beginn an: „Ich hatte bereits eine frühere Verurteilung, ich war auf Bewährung"
Keine Beschönigung, keine Halbwahrheiten
Fokus auf: „Ich habe Fehler gemacht und übernehme volle Verantwortung"
Fehler kosten Vertrauen, Unwahrheiten zerstören es.
Prinzip
Akt 6: SRF stellt den Journalisten frei
Nach der Berichterstattung wächst der Druck auf SRF. Kritik am „privaten Mittagessen" und möglichen Verstoss gegen Redaktionsrichtlinien führt dazu, dass andere Medien (die Weltwoche) den publizierenden Journalisten Pascal Schmitz genauer unter die Lupe nehmen. Nachdem frühere Posts von Schmitz ans Tageslicht kommen, entscheidet SRF vorübergehend vom Bildschirm zu nehmen. Schmitz muss zudem sein Amt als Stadionsprecher der Lakers niederlegen.
Kommunikationsanalyse:
❌ Fehler (SRF):
Unklare interne Richtlinien zum Umgang mit privaten Enthüllungsgesprächen; Reaktion erst unter öffentlichem Druck.
✅ Hätte besser laufen können:
Wer hohe ethische Ansprüche stellt muss damit rechnen, selber daran gemessen zu werden.
Transparenz schützt die Glaubwürdigkeit; aber wer hohe Ansprüche stellt und diese selber nicht einhält, verliert die Glaubwürdigkeit auch wieder.
Lehre
Akt 7: Vorhersage – Langfristige Folgen
Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Was geschieht nun mit Fischer, findet er einen neuen Job und wenn ja, bei wem ? Ist er als Coach noch tragbar und glaubhaft ? Viele Experten sind überzeugt, dass Fischer bald wieder eine passende Stelle findet. Er hat seinen Fehler verbüsst. Er ist ein aussergewöhnlich guter Coach. Und wenn er dem neuen Chef glaubhaft vermitteln kann, dass er diesen Fehler bereut und daraus gelernt hat, dann steht auch einem neuen Vertrauensverhältnis nichts im Wege.
Doch was geschieht mit Pascal Schmitz ? Bleibt er bei SRF ? Sehen wir ihn irgendwann wieder auf dem Bildschirm ? SRF hat viel ruhiger reagiert. Nach Bekanntwerden der belastenden Posts wurde er vom Bildschirm genommen, aber nicht entlassen. So zeigt sich ein verantwortungsvoller Arbeitgeber.
Somit darf man erwarten, dass:
Der Journalist auch in den kommenden Monaten nicht entlassen wird, aber es wäre denkbar, dass er vorübergehend auch in ein anderes Ressort versetzt wird.
SRF wird intern die Situation analysieren und prüfen, ob die publizistischen Leitlinien in diesem Fall genügt haben oder hier eine Grauzone offen steht.
Pascal Schmitz wird - so darf man erwarten - wieder auf die Bildschirme zurückkehren, sobald das Eis der laufenden Hockes Saison geschmolzen und etwas Gras über die Sache gewachsen ist.
Fazit: Wie wäre die Situation gewesen, wenn die Krisenkommunikation sauber gelaufen wäre?
Wenn Patrick Fischer und der SIHF die Grundsätze der Krisenkommunikation eingehalten hätten, sähe die heutige Lage (April 2026) grundlegend anders aus. Denn nicht der ursprüngliche Fehler (Zertifikatsfälschung) hat Fischer seine Reputation und somit den Job gekostet – sondern die verzögerte, teilweise falsche und nicht abgestimmte Kommunikation.
In der Krisenkommunikation zählt nicht Perfektion, sondern:
Geschwindigkeit (früh sprechen)
Stakeholder-Einbindung (intern zuerst)
Vollständige Wahrheit (keine zweiten Lügen)
Der Fall Patrick Fischer bleibt ein Lehrstück: Karrieren scheitern selten am ersten Fehler, aber sehr oft an der Kommunikation danach.
Fazit