Zwischen Schneerutsch und Medienrummel: Learnings aus dem Abbruch der Patrouille
Krisenkommunikation ist eine der anspruchsvollsten Disziplinen im Veranstaltungs- und Krisenmanagement. Besonders komplex wird sie, wenn es sich um grosse, öffentlichkeitswirksame Events handelt, bei denen Sicherheit oberste Priorität hat. Die Patrouille des Glaciers ist ein Musterbeispiel dafür. Im Jahr 2012 wurde das Rennen unter dramatischen Umständen vorzeitig abgebrochen – ein Szenario, das für mich persönlich zur grössten Kommunikationsherausforderung wurde.
Rückblick auf den Abbruch der Patrouille des Glaciers 2012
Die Patrouille des Glaciers (PDG) ist weit mehr als ein militärischer Skitouren-Wettkampf – sie ist eine der anspruchsvollsten und technisch komplexesten Veranstaltungen der Schweiz. Die PDG findet alle zwei Jahre statt und führt über 53 Kilometer und 4’000 Höhenmeter von Zermatt nach Verbier. Dabei müssen die Teams extremen Wetterbedingungen und alpinen Gefahren trotzen. Sicherheit hat bei der Organisation oberste Priorität, weshalb der Abbruch im Jahr 2012 eine der grössten Herausforderungen für das Organisationsteam und insbesondere die Krisenkommunikation darstellte.
Als Stabschef Kommunikation und Mediensprecher war ich damals verantwortlich, die komplizierte und emotionale Situation nach aussen zu vermitteln und interne Kommunikationsprozesse zu koordinieren.
Die Situation war angespannt: Aufgrund ungewöhnlich hoher Temperaturen in der Region konnte sich nachts die Schneeoberfläche nicht verfestigen. Diese klimatischen Bedingungen erhöhten die Risiken auf der Strecke massiv. Eine routinemässige Kontrolle während der Veranstaltung führte zu einem Schneerutsch – glücklicherweise keine Lawine –, der als Sicherheitsrisiko nicht zu unterschätzen war. Daraufhin entschieden wir, den Streckenabschnitt bei Arolla abzubrechen, um die Teilnehmer zu schützen.
Unsere grösste Sorge war, dass Bilder von Rutschkegeln und Sprengarbeiten in den Medien verbreitet werden könnten, die Verunsicherung und Ängste schüren würden. Diese Botschaft prägte unsere Kommunikationsstrategie hin zum Publikum und den Medien.
Die Kommunikationsarbeit in einer solchen Lage ist enorm anspruchsvoll. Das Krisenteam musste sich eng abstimmen, denn neben der technischen Sicherheit musste auch die emotionale Belastung der Athleten, Helfer und Familien bedacht werden. Viele Läufer verbrachten Stunden in Notunterkünften, Transportwege waren überlastet, und die Verunsicherung stieg.
Unsere Kommunikation musste mehr sein als reine Information: Wir mussten die Menschen emotional abholen, Nähe schaffen und Vertrauen vermitteln. Dies gelang durch klar formulierte, beruhigende und transparente Botschaften.
Aus meiner Sicht ist die Krisenkommunikation bei Events wie der PDG eine der komplexesten Herausforderungen überhaupt und verlangt nach einem hohen Mass an Vorbereitung, flexibler Reaktion und empathischem Umgang.
Eine der wichtigsten Lehren aus 2012 war: Frühzeitige Planung der Kommunikationsprozesse und eine klare Abstimmung zentraler Kernbotschaften sind der Schlüssel zum Erfolg. Darüber hinaus habe ich gelernt, wie wichtig es ist, auch das scheinbar Unmögliche mitzudenken und Szenariotraining nicht als lästige Aufgabe, sondern als essenziellen Bestandteil der Krisenvorbereitung zu verstehen.
Für Veranstalter, KMUs und Krisenmanager heisst das konkret: Krisenkommunikation funktioniert nicht nach dem Prinzip „einfach drauf los“. Sie erfordert klare Konzepte, strukturierte Prozesse und vor allem ein empathisches Team, das sowohl Fakten sachlich als auch Emotionen feinfühlig transportieren kann.
Mit meiner heutigen Erfahrung biete ich genau diese professionelle Beratung und Begleitung an – von der Strategieentwicklung bis zur praktischen Umsetzung in Trainings und Simulationen.
Fazit
Die Herausforderungen rund um den Abbruch der Patrouille des Glaciers 2012 zeigen exemplarisch, wie eng Krisenmanagement und Krisenkommunikation verknüpft sind. Für mich war dieses Ereignis ein Meilenstein, der meinen Blick für die emotionale Komponente der Kommunikation schärfte – denn in einer Krise sind nicht nur Fakten entscheidend, sondern vor allem das menschliche Verständnis und das gezielte Schaffen von Vertrauen.
Meine wichtigsten Erkenntnisse: Zeit nehmen – auch unter Druck –, verbindliche und klare Botschaften formulieren, empathische Ansprache pflegen und das gesamte Team auf vielfältige Szenarien vorbereiten. Nur so entsteht in der Krise echte Handlungssicherheit und Vertrauen.
Diese Learnings sind heute unverzichtbar für jeden, der eine Krise professionell managen will – sei es als Veranstalter oder in einem KMU.